(c) Don Bosco Mission Bonn/ichtv/eduardo leal

Tore zum Glück

  • 19.06.18 11:54
  • Eduardo Leal
  •   Im Auftrag des Herrn

Wenn früh morgens die Sonne über Kolumbiens zweitgrößter Stadt Medellín aufgeht, beginnt das alltägliche Chaos auf den Straßen mit lautem Hupen, rußigen Abgasen und zigtausenden Rollern und Mopeds. Gleichzeitig füllen sich die Gehwege mit wuselnden Massen, einschließlich vieler Leute in knallgelben Trikots. Selbst wenn man sich nicht für Fußball interessiert, weiß man so direkt, wenn die kolumbianische Nationalmannschaft spielt. Ganz egal ob Freundschaftsspiel oder WM-Partie – die Leute lieben ihr Nationalteam und so steht das Land immer größtenteils still, wenn die „Cafeteros“ den Rasen betreten und das Match beginnt.

Neue Chance

 (c) Don Bosco Mission Bonn/ichtv/eduardo leal

Andres Felipe ist Siebzehn und irgendwie schon zu groß für sein Alter. Er lebt hier zusammen mit seiner Mutter, seinem Schwiegervater und einer jüngeren Schwester nur ein paar Minuten entfernt von der Ciudad Don Bosco, wo er sich unter der Woche überwiegend aufhält. Ciudad Don Bosco ist ein Komplex, der hunderten von Kindern Unterkunft bietet und Kindern aus Familien mit niedrigen Einkommen oder einem schwierigen Umfeld Bildungsangebote bereitstellt.

Gerade versucht Andres, in der Schule den Computerkurs und die Sportstunden unter einen Hut zu bringen. Er ist ein schüchterner Junge, der still auf seinem Platz sitzt und zum Unterricht beiträgt. Andres erzählt: „Die Ciudad Don Bosco bedeutet mir sehr viel. Sie bieten uns dort Möglichkeiten, die wir wahrscheinlich nirgendwo sonst bekämen. Wir können dort nicht nur lernen, sondern auch Sport treiben. Also mache ich natürlich so viel wie möglich in meiner Zeit hier.“

Teamwork hilft

Wie viele andere Jungs in Kolumbien ist Andres fußballverrückt. Man sieht ihre Augen leuchten, wenn es zur Pause klingelt und Andres und seine Freunde anfangen, Fußball zu spielen. Dann wird aus dem schüchternen Jungen ein Anführer, der Gegner grätscht und seine Mannschaftskameraden kommandiert, wie ein Offizier auf dem Schlachtfeld. Laut Carlos Mario Florez, dem Programmleiter in Ciudad Don Bosco, „bedarf es bei keinem anderen Spiel so viel Führungskraft, Teamwork, Strategie und Taktik - alles Dinge, die einem auch im Leben weiterhelfen.“ Aus diesem Grund hat Florez das Programm „Dad Bosco“ ins Leben gerufen, ein Fußballprojekt der Ciudad Don Bosco, das junge Menschen vor den Gefahren des Lebens in den Slums schützen soll. Durch den Mangel an Führung und Vorbildern sind sie dort häufig Gewalt, Prostitution, organisiertem Verbrechen, Drogenhandel und -missbrauch sowie der Gefahr von Schwangerschaften im Teenageralter ausgesetzt.

Traum: Fußballprofi

 (c) Don Bosco Mission Bonn/ichtv/eduardo leal

Am nächsten Morgen steht Andres auf dem Dach seines Hauses, mit Blick auf ganz Medellín, und balanciert einen Ball auf seinem Kopf. Man kann die unsichtbare Barriere beinahe spüren, die sein Leben im Slum von der Realität in der Stadt mit all ihren Möglichkeiten und hohen Häusern trennt. Dann fängt er an, zu erzählen: „Fußball bedeutet mir alles! Am liebsten möchte ich immer nur Fußball spielen. Es ist quasi meine Medizin! Wenn ich gestresst bin, Probleme habe oder krank bin, spiele ich Fußball und es geht mir wieder gut.“

Dann zeigt er auf eine Stelle weit hinten in der Stadt und sagt: „Eines Tages will ich da spielen.“ Gemeint ist das Atanasio Girardot Stadion, das Zuhause von Atletico Nacional, der stärksten kolumbianischen Vereinsmannschaft. Wie so viele Teenager in Kolumbien möchte Andres eines Tages Fußballprofi werden.

SommerZeit 2018 (c) Robert Boecker

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