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Später Ruhm für zwei Hände

  • 13.02.18 09:07
  • Martin Mölder
  •   Kultur und Kirche

Jakob Heller, einem Frankfurter Tuchhändler und Bürgermeister, ist es zu verdanken, dass die später erst als „betenden Hände“ benannte Zeichnung Albrecht Dürers überhaupt entstand. Jener Jakob Heller bestellte nämlich 1507 bei dem aufstrebenden Künstler eigentlich einen Altar für die Frankfurter Dominikanerkirche. Albrecht Dürer schuf die Zeichnung der Hände, deren Vorbild wahrscheinlich seine eigenen waren, für eine betende Apostelfigur. Sie und die anderen Figuren auf dem Altar, die die Himmelfahrt und Krönung Mariens bezeugen sollten, zierten den Flügelaltar. Mit einiger Verzögerung und mit Ergänzungen des Malers Matthias Grünwald wurde er zwei Jahre nach Auftragserteilung fertig und um 1510 nach Frankfurt geschickt, um über dem zukünftigen Grab des Auftraggeber Hellers aufgestellt. Heller selbst war auf dem linken Flügel unten porträtiert, der glatzköpfige Apostel mit den gefalteten Händen saß auf der Mitteltafel rechts unten. Aber auch der Heilige Jakobus auf dem linken Seitenflügel des Altars faltet die Hände ähnlich, nur seitenverkehrt.

Kopien ersetzen das Original

Die Kirche verkaufte die Haupttafel 1614 an Maximilian von Bayern. Beim Brand der Münchner Residenz 1729 wurde sie dann zerstört. Heute ist der Hauptteil des nur als Kopie aus dem 17. Jahrhundert erhalten, gemalt von Jobst Harrich. Die Altartafeln verteilen sich auf mehrere Museen in Frankfurt und Karlsruhe. Neun der 18 Studienblätter, die Dürer für den Heller-Altar zeichnete werden im Kunstmuseum Albertina in Wien aufbewahrt – unter ihnen auch die "Betenden Hände". Wo liegen aber die Gründe dafür, dass die diese Detailzeichnung Dürers bis heute so oft gedruckt werden? Zum einen liegt es an der leichten Reproduzierbarkeit des Werks. Keine andere Handstudie Dürers, ist so einfach zu vervielfältigen und zu verstehen. Auch wenn sie durchaus als religiöses Motiv empfunden werden, symbolisieren sie doch gleichzeitig eine Geste voller Demut und Unschuld. Hinzu kommt die verblüffende, dreidimensionale Wirkung der auf weiß angelegten, fein schraffierten, fast schwebend wirkenden Zeichnung auf blauem Hintergrund. Zum anderen sind es aber die Hände selbst. Albrecht Dürer hat sie so filigran und genau gezeichnet, dass sie echt wirken wie eine Fotografie. Und ihnen liegt eine so einzigartige Schönheit inne, dass nicht nur der Pop Art-Künstler Andy Warhol sich Dürers „betenden Hände“ auf den Grabstein meißeln ließ, sondern sie wahrscheinlich auch heute mindestens eine Todesanzeige in der Zeitung illustrieren.

Albrecht Dürer

Albrecht Dürer wurde am 21. Mai 1471 in Nürnberg geboren. Er starb am 6. April 1528. Albrecht Dürer war nicht nur Maler des Humanismus und der Reformation, sondern auch Mathematiker und ein angesehener Kunsttheoretiker von europäischem Rang. Neben vielen Selbstporträts – das erste malte er als 13-jähriger – sind vor allem christliche Motive in zahlreichen Werken Dürers zu finden. Neben den „betenden Händen“ sind heute besonders die beiden Aquarelle „Feldhase“ und „das große Rasenstück“ bekannt.

SommerZeit 2018 (c) Robert Boecker

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