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Die Fußballweltmeister der Kleriker

  • 18.06.18 12:12
  • Mario Galgano
  •   Kurz und Knapp

Es war ein spannendes Spiel am vergangenen 26. Mai auf dem vatikanischen Fußballfeld „Petriana“, wenige Meter von den Vatikanischen Gärten entfernt. Der nordamerikanische Priesterkolleg „North American Martyrs“ hat die neue Ausgabe des „Clericus Cup“ im Penaltyschießen gewonnen. „Let´s go, Martyrs“, schrien die mehr als einhundert angereisten Fans der US-amerikanischen Priester-Kicker von der Tribüne aus. Gespielt wurde im Gegensatz zur üblichen Spielzeit im Fußball nicht 90, sondern 60 Minuten. Die US-Amerikaner haben nach einem torlosen Endspiel gegen die Kicker vom Päpstlichen Kolleg „Urbano“, vorwiegend afrikanische Seminaristen, im anschließenden Elfmeterschießen gewonnen. Es ist das fünfte Mal, dass die US-Mannschaft als Sieger aus dem Clericus-Cup hervorgeht. Dabei hatten Beobachter vorher auf eine ganz andere Mannschaft gesetzt: Das afrikanische Team war als Topfavorit ins Turniers gegangen. Insgesamt 71 Nationalteams aus fünf Kontinenten machten am diesjährigen vatikanischen Wettkampf mit. Die „North American Martyrs“ bestehen zwar ausschließlich aus US-amerikanischen Priestern in Spe, doch einzig der 26jährige Seminarist Paul Floersch aus Nebraska hat nicht den US-Pass. Er ist australischer Staatsbürger, lebt aber derzeit im nordamerikanischen Priesterkolleg in Rom. Die Spieler kennen sich, weil sie dort alle in diesem Haus auf römischen Gianicolo-Hügel wohnen.

Fußballlegende – der Kleriker

Kapitän und Topspieler der „Märtyrer“ ist William Nyce (28), der das siegreiche Elfmetertor im Finale schoss. „Es war ein sehr schöner Sieg nach einem kämpferischen Spiel. Ich will meinen Gegner aber meine Komplimente aussprechen“, so Nyce. Seit drei Jahren spielt er bei den „North American Martyrs“. Sein Teamkollege Floersch ist sogar Torschützenkönig des Clericus Cup 2018 und war einer der besten Spieler auf dem Feld beim großen Finale. „Unsere Stärke war die Brüderlichkeit untereinander. Wir beten vor jedem Spiel und auch danach gemeinsam. Dank dem Clericus Cup ist auch unsere Freundschaft untereinander gewachsen“, sagt Floersch. Eine besondere Auszeichnung erhielt auch der Trainer der „Märtyrer“, Reverend Drew Olson, der seit vier Jahren die Spieler der „Stars and Stripes“ führt und ihnen zum Sieg verholfen hat. Jetzt heißt es für das US-Team Ruhezeit und vor allem schauen sich die amerikanischen Priester die Spiele ihrer „Fußballkollegen“ im Fernsehen, die bald in Russland um den WM-Pokal buhlen. Die USA nehmen nicht daran teil und auch Italien, das Gastland der Priester und Seminaristen, fehlt in Russland. Deshalb drückt jeder Spieler einem anderen Team die Daumen. Floersch, der einen deutschklingenden Namen hat, hofft, dass die Mannschaft von Jogi Löw ins Finale kommt und den Pokal wieder nach Deutschland holen wird. Vor allem drückt er aber dem australischen Team die Daumen. Nach der Meisterschaft im Vatikan freut sich Floersch auf eine schöne WM in Russland, die ihm und allen anderen Fußballfans viel Freude und Fröhlichkeit schenken wird.

SommerZeit 2018 (c) Robert Boecker

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