Gebet und Gottesdienst zu Hause gestalten

Wie kann ich am Fernsehen, am Radio oder über das Internet einen Gottesdienst mitfeiern? Was ist eigentlich die sogenannte „geistliche Kommunion“? Hilft mein Gebet? Wir geben Antworten!

27. März 2020

Anregungen zur Mitfeier von medial übertragenen Gottesdiensten

Unter den Vorzeichen der Corona-Pandemie mussten alle öffentlichen Gottesdienste absagt werden. Denn wir können nicht die Nähe Gottes in unserer Liturgie suchen und gleichzeitig bereit sein, die Gesundheit und das Leben der Mitmenschen leichtfertig und geradezu vorsätzlich auf das Spiel zu setzen.

So wird das, was ursprünglich für Kranke und Gebrechliche entwickelt wurde, nämlich die Mitfeier eines Gottesdienstes, der über die Medien übertragen wird, auch zu einer Chance für alle: Wer einen live gefeierten Gottesdienst über die Medien mitverfolgt, hat die Gelegenheit, das nicht nur äußerlich zu tun, sondern die Feier vor Ort auch innerlich mitzuvollziehen. Obwohl man nicht in der Feiergemeinde steht, kann man doch der Intention nach an diesem Gottesdienst teilnehmen.

Mit den folgenden Tipps können aus Zuschauern aktive Mitfeiernde werden. Prüfen Sie, was in diesem Sinne für Sie hilfreich ist.

Wie kann ich am Fernsehen, am Radio oder über das Internet einen Gottesdienst mitfeiern?

Wenn Sie darauf achten, dass der Gottesdienst live übertragen wird, und Sie ihn mitfeiern möchten, können Sie daran über die Medien teilnehmen. Das wird Ihnen vielleicht leichter fallen, wenn Sie sich anders einrichten als beim Fernsehabend.

Die nachstehenden Hinweise möchten in der ungewohnten Situation Tipps geben und helfen, Fragen zu beantworten.

  • Machen Sie für sich selbst erlebbar, dass Sie nicht einfach Fernsehen oder ein Stream im Internet schauen, sondern an einem Gottesdienst teilnehmen wollen. Schalten Sie möglichst andere Störquellen im Hintergrund aus. Es kann dabei z.B. hilfreich sein, sich passend zu kleiden.
  • Feiern Sie nach Möglichkeit nicht alleine. So wie zu jeder Feier Gemeinschaft gehört, wird auch die Mitfeier zu Hause in Gemeinschaft schöner. Besonders sinnvoll ist es, wenn Sie als Familie oder Wohngemeinschaft in Einrichtungen (entsprechend den Bestimmungen des Hauses) für die Mitfeier zusammenkommen können, um eine Gemeinschaft um Christus zu bilden. Freilich beschränkt sich der Kreis in diesen Tagen auf diejenigen, die ohnehin zusammenleben. Dennoch bilden Sie in diesem Augenblick Kirche vor Ort, gewissermaßen Kirche im Kleinen.
  • Schaffen Sie eine Atmosphäre, die Ihr Beten trägt. Es bietet sich an, ein Kreuz aufzustellen. Eine Idee ist, eine Kerze anzuzünden. Und nutzen Sie nach Möglichkeit Ihr Gotteslob, wenn Lieder angezeigt werden. Auch entsprechende Körperhaltungen, die man einnimmt, können helfen. Setzen Sie sich nicht zu gemütlich, sondern nehmen Sie eine Position ein, die die innere Aufmerksamkeit steigert. Wenn es Ihnen bei den gottesdienstlichen Vollzügen hilft, nehmen Sie die Körperhaltung ein, die sie von der gemeinsamen Feier der Messe kennen.
  • Und am Ende: Vielleicht stehen Sie nicht sofort auf, sondern lassen den Gottesdienst nachklingen. Die Tradition, nach der Messfeier ein stilles Dankgebet zu sprechen, ist auch in dieser Situation sinnvoll. Wenn Sie zu mehreren sind, kann man sich natürlich auch über den Gottesdienst und wie sie ihn erlebt haben austauschen.

Oft wird gefragt, ob man auch bei einer Aufzeichnung mitfeiern kann. Natürlich kann man sich auch einen solchen Gottesdienst im Nachhinein anschauen, aber dann gibt es keine Gemeinschaft, an deren Feier ich mich anschließen kann. Die Aufzeichnung dient dann eher Ihrer eigenen Andacht und kann helfen, ins private Gebet zu finden.

Teilen Sie uns gerne mit, wie Sie die Gottesdienstübertragungen zuhause gestalten! Wir wollen entsprechende Tipps an dieser Stelle einarbeiten. E-Mail: newsdesk@erzbistum-koeln.de

> Live-Übertragungen der Hl. Messe unter erzbistum-koeln.de/livemesse

Was ist eigentlich die sogenannte „geistliche Kommunion“?

Ein sensibler Punkt ist der Kommunionempfang, auf den eigens eingegangen werden soll. Denn gerade dann, wenn sich Christus in den gewandelten Gaben den Gläubigen schenkt, kann man bei einer Gottesdienstübertragung nicht hinzutreten. Doch das heißt nicht, dass Sie als Mitfeiernde zu Hause nicht dennoch im Augenblick der Kommunion Christus begegnen können – und zwar indem Sie sich im Gebet ihm ganz und gar zuwenden. Das meint die sogenannte "geistliche Kommunion": Man empfängt zwar nicht die sakramentale Kommunion (den Leib Christi in Gestalt des Brotes und das Blut in Gestalt des Weines), aber auf geistlicher Ebene kann man sich mit Christus verbinden. Genau genommen soll das auch die sogenannte „innere Wirkung“ der sakramentalen Kommunion sein, die ihrerseits das greifbare Zeichen für diesen geistlichen Vorgang ist. Sakramentale und geistliche Kommunion – beide beinhalten eine gnadenhafte Begegnung mit der Person Jesu.

Im Gotteslob finden Sie einige Texte, die sich für die geistliche Kommunion eignen: GL 5,2-6, 6,4-8, 8,1-4, 9,4-6, 17,4, 557, 561, 562, 675,6-9, 676,1-3. Einige passende Gebete finden Sie auch am Ende des Textes.

Zu guter Letzt: Oft wird gefragt, ob man auch bei einer Aufzeichnung im Nachhinein mitfeiern kann. Natürlich kann man sich auch einen solchen Gottesdienst im Nachhinein anschauen, aber dann gibt es keine Gemeinschaft, an deren Feier ich mich anschließen kann. Die Aufzeichnung dient dann eher Ihrer eigenen Andacht und kann helfen, ins private Gebet zu finden.

Hilft mein Gebet?

Beten hilft! Das heißt nicht, dass man naiv glaubt, man könnte mit seinem Gebet den Virus stoppen und auf die hygienischen Maßnahmen verzichten. Aber wir als Christen sind aufgerufen, die Anliegen, Sorgen, Nöte und Ängste der Menschen vor Gott zu bringen. Das ist menschlich gesehen ein Akt der Solidarität, aber mehr noch: Auf diese Weise leben wir Christen unsere Taufe. Denn in der Taufe sind wir so eng mit Christus verbunden worden, dass wir Anteil an seinem Priestertum haben. Es ist aber eine wahrhaft priesterliche Aufgabe, die Welt vor Gott zu bringen. Und insofern dies im Gebet für andere geschieht, leben gerade dadurch die Gläubigen das gemeinsame Priestertum aller Getauften.

Im Anhang finden Sie einige > Gebetsvorschläge. Im Gebet- und Gesangbuch „Gotteslob“ entdecken Sie weitere Gebetstexte. Hier finden Sie auch sehr viele Psalmen aus der Bibel – Texte mit denen schon in alttestamentlicher Zeit gebetet wurde, Texte mit denen Jesus selbst gebetet hat, Texte mit denen die Christen seit 2.000 Jahren beten. In besonderer Weise haben sich Klöster das Psalmengebet zueigen gemacht. Wenn es Ihnen eine Hilfe ist, können Sie über das Internet das Psalmengebet von klösterlichen Gemeinschaft aufrufen, um getragen von diesen Betern selbst ins Gebet zu kommen (z.B. https://erzabtei.de/live). Wenn Sie die Psalmen in der Weise beten wollen, wie sie in der sogenannten Tagzeitenliturgie von der Kirche gebetet werden, dann geht das mit den heutigen technischen Möglichkeiten leicht: Laden Sie sich die offizielle Stundenbuch-App (https://www.stundengebet.de/) herunter.

Darüber gibt es ganze Online-Gebetsgemeinschaften. Die bekannteste und mitgliederstärkste findet sich täglich auf Twitter zusammen, um um 7 Uhr die sogenannte Twaudes (von „Twitter“ und „Laudes“) und um 21 Uhr die Twomplet (von „Twitter“ und „Komplet“) zu beten. Unter #twaudes und #twomplet wird via Twitter gemeinsam gebetet und werden Fürbitten getwittert.

Jesus sagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Daher, wenn sie beten, beten sie nach Möglichkeit nicht nur allein, sondern mit anderen – sofern es angesichts der Ansteckungsgefahr Menschen sind, mit denen Sie ohnehin Umgang haben. So können Sie sogar in der Familie einen kleinen Hausgottesdienst feiern. Wie das geht, können Sie im Anhang sehen.

Tägliches Glockenläuten

Da wir und nicht mehr zu Gottesdiensten versammeln können, läuten bis zum Gründonnerstag in allen Kirchen des Erzbistums Köln täglich um 19.30 Uhr die Glocken. Das Geläut lädt alle Gläubigen und alle Menschen guten Willens zum persönlichen Gebet ein und soll Zeichen einer bleibenden Gebetsgemeinschaft sein. Wir laden ein, dass die Gläubigen an den Orten, wo sie sich gerade aufhalten, sich dieser Gebetsgemeinschaft anschließen und das Gebet Unter deinen Schutz und Schirm beten:

Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir,
o heilige Gottesgebärerin,
verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten,
sondern erlöse uns jederzeit von allen Gefahren.
O du glorreiche und gebenedeite Jungfrau,
unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin.
Versöhne uns mit deinem Sohne,
empfiehl uns deinem Sohne,
stelle uns vor deinem Sohne.

> Gebet "Unter Deinen Schutz und Schirm" (2x auf einer A4-Seite, PDF)

> Gebet "Unter Deinen Schutz und Schirm" (4x auf einer A4-Seite, PDF)

Glauben und Leben | Covid-19

Website der Diözesanstelle für den Pastoralen Zukunftsweg

Die Diözesanstelle für den Pastoralen Zukunftsweg bündelt in ihrem „Homeoffice“-Projekt viele Anregungen und Ideen zum Glauben-Teilen in Zeiten der Coronavirus-Pandemie (ausdrücklich auch von Palmsonntag bis Ostern).

> Zur Website „Glauben und Leben | Covid-19“